Zum Inhalt springen

Périgord central

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Der Périgord central ist eine traditionsreiche französische Landschaft im Zentrum und im Osten des Départements Dordogne. Hauptort ist die Stadt Périgueux in der Region Nouvelle-Aquitaine.

Lagekarte des Périgord central (in Gelb) im Département Dordogne

Der Périgord central bedeckt die Mitte und den Osten des Départements Dordogne.

Die Landschaft wird von folgenden NaturrÀumen umgeben:

Weitere landschaftliche Unterteilungen innerhalb des Périgord central sind:

Das Manoir von La Farge bei Tourtoirac

Das Vernois oder auch Pays de Vergt liegt am Oberlauf des Vern und nimmt den SĂŒden des PĂ©rigord central ein. Die Grenze zum PĂ©rigord noir weiter ostwĂ€rts werden vom Bach Manoire und der Gemeinde Le Lardin-Saint-Lazare gebildet. Die Ostgrenze werden vom Pays d’Ans und dem Pays d’Hautefort eingenommen. Bereits hinter der Gemeinde Coubjours beginnt dann das Briver Becken, geologisch jedoch noch vor Hautefort. Die Nordgrenze zum Nontronnais ist etwas ungenau. Sie verlĂ€uft in etwa entlang der Gemeinden Excideuil, Corgnac-sur-l’Isle, Saint-Jean-de-CĂŽle und Saint-Front-la-RiviĂšre und folgt in etwa der Randstörung des Massif Central. Die Dronne markiert die Nordwestgrenze des PĂ©rigord central.

Der Begriff Périgord central ist vom Begriff Périgord blanc klar zu unterscheiden, welcher vor allem in der Touristik verwendet wird. Der Périgord blanc erstreckt sich auf die Umgebung von Périgueux, das Vernois sowie das Tal der Isle bis Montpon-Ménestérol, umfasst somit noch Teile der Double und des Landais.

Die rollende HĂŒgellandschaft des PĂ©rigord central bei Seylhiac

VerwaltungsmĂ€ĂŸig entspricht der PĂ©rigord central im Wesentlichen dem gesamten Arrondissement PĂ©rigueux und dem Nordteil des Arrondissements Sarlat-la-CanĂ©da.

Ferner befinden sich im Périgord central folgende GemeindeverbÀnde (Französisch communauté de communes):

sowie der stÀdtische Gemeindeverband Le Grand Périgueux.

Die Isle an der Kathedrale Saint-Front in Périgueux

Die Landschaft des PĂ©rigord central besteht aus von Kalken aufgebauten HĂŒgelzĂŒgen, die durch die Talungen der Isle, der Beauronne, der Loue und des Vern unterbrochen werden. Die Wiesen in den Talniederungen wechseln mit vorwiegend von Kastanien, Eichen und Kiefern bestandenen WĂ€ldern ab.

Hauptfluss im PĂ©rigord central ist die in etwa mittig von Nordost nach SĂŒdwest fließende Isle, an der auch PĂ©rigueux – die Hauptstadt des DĂ©partements Dordogne – liegt. NebenflĂŒsse der Isle sind linksseitig AuvĂ©zĂšre und rechtsseitig Beauronne. Den Ă€ußersten Norden des PĂ©rigord central durchzieht die aus dem Nordosten kommende Dronne in sĂŒdsĂŒdwestlicher bis sĂŒdwestlicher Richtung. Ihr linksseitiger Nebenfluss ist die CĂŽle, die kurz vor BrantĂŽme in sie mĂŒndet. Der Vern entwĂ€ssert den SĂŒden der Landschaft in westlicher Richtung und mĂŒndet als linker Nebenfluss ebenfalls in die Isle.

Der Kalksteinbruch von Savignac-les-Églises mit flach liegenden, rund 165 Millionen Jahre alten Schichten des Bathoniums (Dogger)

Der PĂ©rigord central wird mit Ausnahme des Pays d’Ans und des Pays d’Hautefort von flach nach SĂŒdwesten einfallenden, gut 600 Meter mĂ€chtigen Sedimenten des Aquitanischen Beckens aufgebaut – Jura, Oberkreide und kontinentales TertiĂ€r. Der Einfallswinkel ist geringer als 10°, wobei die Sedimentabfolge schwach monoklinal in Richtung Beckeninneres geneigt ist.

Kurz vor Hautefort erscheinen bereits Perm und Trias des Briver Beckens und nordwestlich von Terrasson-Lavilledieu der Horst von Chñtres – ein Aufbruch des variszischen Grundgebirges mit Gesteinen der Thiviers-Payzac-Einheit.

Der bis zu 180 Meter mĂ€chtige Jura fĂŒhrt die Stufen Lias und Dogger. Er ist aufgeschlossen im Nordosten des PĂ©rigord central in der Umgebung von Savignac-les-Églises (sĂŒdlich von Excideuil und Thiviers), wird jedoch im restlichen PĂ©rigord central von Schichten der Oberkreide ĂŒberdeckt. Seine SĂŒdgrenze gegenĂŒber der Oberkreide wird von der SĂŒdost-streichenden Le Change-Störung festgelegt, entlang derer der Jura herausgehoben wurde. Die teils im TertiĂ€r verkarstete Schichtenfolge der Oberkreide beginnt mit transgressivem Cenomanium und reicht bis ins kreidige Campanium hinauf. Das diskordant aufliegende kontinentale TertiĂ€r kann dem EozĂ€n und dem OligozĂ€n zugeordnet werden.

Das Liasmeer transgrediert im Hettangium ĂŒber das peneplanierte Zentralmassiv einschließlich des Briver Beckens. Der marine Einfluss ist anfangs nur wenig spĂŒrbar, da die Sande granitischer Zusammensetzung an Ort und Stelle wiederaufgearbeitet und abgelagert werden. Das obere Hettangium und das Sinemurium sind meist dolomitisch ausgebildet und deuten somit auf einen abgeschnĂŒrten Sedimentationsraum. Erst im Toarcium entstehen offen marine Bedingungen mit einheitlich pelagischen Mergeln.

WĂ€hrend des Doggers ist der PĂ©rigord central Teil einer epikontinentalen Schelfplattform, auf der Kalke zur Ablagerung kommen. Das Bajocium zeichnet sich durch Oolithkalke aus. Im Bathonium herrschen anfangs hochenergetische Bedingungen mit detritischer Sedimentation, die sich aber dann unter kontinentalem Einfluss wieder beruhigen. Diese beiden Pole wechseln mehrmals miteinander ab, um schließlich in ruhiger Sedimentation zu enden. Kleinere Riffe werden dann im Verlauf des Oxfordiums wieder abgetragen und eingeebnet.

Der Malm ist zwar nicht direkt anstehend, er ist aber vorhanden und wird nur vom transgressiven Cenomanium verdeckt.

WĂ€hrend der gesamten Unterkreide ist der PĂ©rigord central wieder aufgetaucht, wie auch die gesamte ĂŒbrige nordaquitanische Plattform.

Die Oberkreide kann eine GesamtmĂ€chtigkeit von bis zu 400 Meter erreichen. Das Cenomanium fĂŒhrt detritische Sedimente, die auf einen nahegelegenen Kontinentalbereich hinweisen. Im Unterturon installieren sich erneut offen marine VerhĂ€ltnisse, die jedoch bereits im Oberturon wieder einer Regression Platz machen. Es kommt jedoch zu einem deutlichen Anstieg der Wassertemperaturen, wodurch sich Rudistenkolonien auf einer Internplattform ansiedeln können. Nach einem Sedimentationsstillstand am Ende des Turons erfolgt ein neuer Meeresvorstoß mit relativ geringer Wassertiefe im Coniacium. Im anschließenden Santonium erweitert sich der Zugang zum offenen Meer, erkennbar an der Gegenwart von Cephalopoden und pelagischen Foraminiferen. Im Campanium erreicht das Meer dann seinen Höchststand mit charakteristischer Kreidesedimentation. Gegen Ende der Oberkreide zieht sich der Atlantik definitiv aus dem PĂ©rigord central zurĂŒck.

Das bis zu 40 Meter mĂ€chtige kontinentale TertiĂ€r reicht vom Ypresium bis ins OligozĂ€n. Es besteht im Wesentlichen aus tonhaltigen Sanden, in die Schotterlagen und Gerölle, aber auch grĂŒne, kaolinreiche Tonflatschen und Lignite (im Liegenden) eingeschaltet sind. Diese auch als SidĂ©rolithique oder Sables du PĂ©rigord bezeichneten Sedimente wurden in einem innerkontinentalen Delta unter warm-humiden Bedingungen abgesetzt. Das Ypresium hat sich dabei in das Obercampan eingegraben und wird seinerseits vom Lutetium diskordant ĂŒberdeckt.

Im Tal der Dronne und des Isle können insgesamt bis zu 9 Terrassen ausgeschieden werden, die wĂ€hrend des QuartĂ€rs (AltpleistozĂ€n bis rezent) im Verlaufe der letzten Eiszeiten angelegt wurden. Die Ă€ltesten Terrassen nehmen beispielsweise am Isle eine beeindruckende Höhe von 80 bis 100 Meter gegenĂŒber dem jetzigen Fluss ein.

Zur bereits angesprochenen monoklinalen Strukturierung der Sedimentfolge gesellen sich drei Antiklinalstrukturen, das SĂŒdost-streichende PĂ©rigueux-Antiklinal sowie mit gleicher Orientierung das BrantĂŽme-Antiklinal. Das kleine Bussac-Antiklinal streicht N 170 und wird von einer parallel laufenden Störung flankiert. Die Struktur bei BrantĂŽme ist offensichtlich eine VerlĂ€ngerung der Mareuil-Antiklinale und das PĂ©rigueux-Antiklinal wahrscheinlich eine Fortsetzung der La-Tour-Blanche-Antiklinale. Die Strukturen wurden bereits im Verlauf der Oberkreide angelegt, erhielten aber wohl ihre endgĂŒltige Ausgestaltung im MitteleozĂ€n durch die Fernwirkungen der PyrenĂ€enorogenese.

Die einstige Kathedrale Saint Étienne-de-la-CitĂ©
Das oberhalb der CĂŽle gelegene ChĂąteau de Lasfond in La Chapelle-Faucher

Der PĂ©rigord central hat eine sehr abwechslungsreiche Geschichte. Seine FrĂŒhgeschichte ist zwar nicht so spektakulĂ€r wie im benachbarten PĂ©rigord noir, dennoch sind auch hier viele FundstĂ€tten bekannt (Höhlen, Abris und vor allem SiedlungsplĂ€tze im Freien), wie beispielsweise die Höhle von Villars, der Abri von Raymonden bei Chancelade, Croix du Duc und Gour de l’Arche bei PĂ©rigueux, Les RebiĂšres sĂŒdlich von BrantĂŽme und Pont d’Ambon bei Bourdeilles. Zeitlich reichen die Funde vom AcheulĂ©en bis ins Sauveterrien.

Aus der Megalithzeit sind nur einige wenige und meist recht dĂŒrftig erhaltene Dolmen und Menhire vorhanden. Nennenswert sind das Dolmen Peyrelevade bei BrantĂŽme, das Dolmen Pierre Rouille bei Valeuil sowie Dolmen- und Menhirreste bei Condat-sur-Trincou. Das Dolmen Peyre-Brune bei Saint-Aquilin lieferte lithische Artefakte und Keramikreste, die der Artensac-Kultur zugeordnet werden können.

PĂ©rigueux war von dem gallischen Stamm der Petrocorier gegrĂŒndet worden. Unter den Römern wuchs die Stadt nach der Eroberung Galliens dann ab 52 v. Chr. als Vesunna zu einem bedeutenden Zentrum heran mit Festungsturm, eigener Arena, Wasserzufuhr und Stadtmauer.

WĂ€hrend der Völkerwanderung wurde PĂ©rigueux im Jahr 410 n. Chr. von den Westgoten geplĂŒndert. Ab Ende des 5. Jahrhunderts herrschten die Franken im PĂ©rigord central. Unter den Merowingern kam es zu zahllosen Querelen und so wurde die Region im Jahr 766 von Pippin dem Kurzen terrorisiert, welcher sich mit dem Herzog von Aquitanien Waifar im Streit befand. Im Jahr 840 und 865 fielen die Normannen ĂŒber die Isle in die Provinz ein und plĂŒnderten und brandschatzten mehrmals PĂ©rigueux.

Aus dem Mittelalter sind zahlreiche KulturdenkmÀler wie Burgen, Schlösser und Sakralbauten im Périgord central erhalten geblieben. Einige Beispiele seien hier aufgelistet:

WĂ€hrend des HundertjĂ€hrigen Krieges (1337 bis 1453) war der PĂ©rigord central französisches Territorium und PĂ©rigueux eine bedeutende Garnisonsstadt, die aber dennoch 1360 und 1363 von den EnglĂ€ndern erobert wurde. Die Grenze zum englischen Territorium verlief weiter sĂŒdlich in etwa entlang der Dordogne. Durch den Krieg und die Pest kam es in der Mitte des 14. Jahrhunderts zu einem starken BevölkerungsrĂŒckgang. Die Hugenottenkriege (1562 bis 1598) trafen die Region sehr schwer, wobei PĂ©rigueux 1575 von den Hugenotten eingenommen und die romanische Kirche Saint-Étienne-de-la-CitĂ© 1577 stark zerstört wurde. FĂ€hige Kaufleute und Handwerker hatten sich mehrheitlich der Reformation angeschlossen und verließen nach Ende der Wirren das Land. Unruhige Zeiten ĂŒberkamen den PĂ©rigord central auch im 17. Jahrhundert im Verlauf der Rebellion der Croquants und wĂ€hrend der Fronde.

Neben dem teils industriell ausgerichteten stĂ€dtischen Ballungszentrum von PĂ©rigueux wird der PĂ©rigord central nach wie vor von der Landwirtschaft und ihren Erzeugnissen beherrscht. Insbesondere erwĂ€hnenswert sind schwarze TrĂŒffel, Steinpilze, Foie gras, WalnĂŒsse und Walnussöl, Esskastanien und Erdbeeren. Vormals wurden auch noch Tabak und Mais in großem Umfang angebaut.

Von großer Bedeutung ist der Tourismus wĂ€hrend des Sommerhalbjahres.

  • Gilbert Le Pochat u. a.: PĂ©rigueux (Est). In: Carte gĂ©ologique de la France Ă  1/50 000. BRGM.
  • J.-P. Platel u. a.: PĂ©rigueux (Ouest). In: Carte gĂ©ologique de la France Ă  1/50 000. BRGM, 1989.
  • FrĂ©dĂ©ric ZĂ©gierman: Le Guide des Pays de France, Sud. Fayard, 1999.