Roger Fauroux
Roger Jean Louis Fauroux (* 21. November 1926 in Montpellier; â 16. Juli 2021 in Paris)[1] war ein französischer Industriemanager, hoher Verwaltungsbeamter und Politiker. Er leitete in den 1980er Jahren den GroĂkonzern Saint-Gobain und war von 1988 bis 1991 französischer Industrieminister.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Roger Fauroux wurde am 21. November 1926 in Montpellier geboren,[2] hatte aber Wurzeln in Montjoie-en-Couserans im Département AriÚge. Seiner Heimat blieb er zeitlebens eng verbunden.[3] Im Zweiten Weltkrieg verlor er einen Bruder.[4]
Nach Besuch einer Vorbereitungsklasse im Pariser LycĂ©e Henri IV studierte er ab 1947 an der Ăcole normale supĂ©rieure (ENS) in Paris.[3][5] 1952 erwarb er die AgrĂ©gation in deutscher Literatur.[6] 1956 schloss er ein Studium an der Ăcole nationale dâadministration (ENA) ab.[7] Er absolvierte auch ein Theologiestudium, das er mit einer Licence abschloss.[2] Ein Jahr lang war er Matrose in der französischen Marine.[4]
Seine berufliche Laufbahn begann er als Inspecteur des finances (Steuerinspektor),[4] wechselte aber bald in die Industrie. 1960 trat er eine Stelle in der EisenhĂŒtte im lothringischen Pont-Ă -Mousson an. Er machte Karriere in dem Unternehmen und dem Konzern Saint-Gobain, mit dem es spĂ€ter fusionierte. 1980 wurde er PrĂ©sident-directeur gĂ©nĂ©ral von Saint-Gobain. Diese Position behielt er auch 1982 nach der Verstaatlichung des Konzerns durch die neue sozialistische Regierung unter dem im Jahr zuvor gewĂ€hlten PrĂ€sidenten François Mitterrand.[2]
1986 wurde Fauroux als erster Industrieller PrĂ€sident der ENA. AnschlieĂend leitete er die Ăditions du Cerf, ein Pariser Verlagshaus mit Schwerpunkt auf religiöser Literatur.[2]
Ende der 1980er Jahre wurde er als Politiker aktiv. In den sozialistischen Kabinetten Rocard I und Rocard II (1988 bis 1991) war er Minister fĂŒr Industrie, AuĂenhandel und Raumplanung. Von 1997 bis 2001 war er als Nachfolger von Simone Veil Vorsitzender des Haut conseil de lâintĂ©gration (âHoher Rat fĂŒr Integrationâ), eines Gremiums, das 1990 vom damaligen Premierminister Michel Rocard als Reaktion auf das erste Auftreten von kopftuchtragenden muslimischen SchĂŒlerinnen an französischen Schulen gegrĂŒndet worden war. Nach dieser TĂ€tigkeit war er weiterhin im Aufsichtsrat von Industrieunternehmen tĂ€tig und verfasste mehrere Berichte fĂŒr die Regierung, unter anderem zu Fragen der Schulbildung und des BekĂ€mpfens ethnischer Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. 1999 wurde er mit einer interministeriellen Mission auf dem Balkan betraut.[2]
Auf lokaler Ebene war Roger Fauroux von 1989 bis 1995 BĂŒrgermeister von Saint-Girons, einer Nachbargemeinde seines Herkunftsorts Montjoie-en-Couserans. Nach einem absolvierten Mandat verzichtete er darauf, zur Wiederwahl anzutreten.[3]
Fauroux war ĂŒberzeugter Katholik und mehrere Jahre lang PrĂ€sident der konfessionellen UniversitĂ€t Institut catholique de Paris. Zudem war er MitgrĂŒnder der Fondation Saint-Simon, einer von 1982 bis 1999 bestehenden Denkfabrik, deren Mitglieder Unternehmensleiter und Akademiker waren und die zur Zeit ihrer Existenz hohes Ansehen in politischen und intellektuellen Kreisen genoss.[2] 1998 erschienen seine Memoiren Ătats de service.[4] 2001 und 2004 veröffentlichte er gemeinsam mit dem ENA-Absolventen und Manager Bernard Spitz (* 1959) unter dem Titel Notre Ătat (âUnser Staatâ) bzw. Ătat dâUrgence (âNotstandâ, wörtlich aber auch âNot-Staatâ), zwei vielbeachtete Essays zur Lage des französischen Staats und mit ReformvorschlĂ€gen.[2]
2016 wurde ihm das GroĂkreuz der Ehrenlegion verliehen.[2]
Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Roger Fauroux war mit der Archivarin und PalĂ€ographin Marie Le Roy Ladurie (1928â2021)[8] verheiratet, deren Bruder Emmanuel Le Roy Ladurie ein bekannter Historiker ist. Marie Le Roy Ladurie starb am 28. April 2021, wenige Monate vor ihrem Ehemann.[3] Das Paar hatte sechs Kinder.[2]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Angaben zu Roger Fauroux in der Datenbank der BibliothĂšque nationale de France.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Eintrag zu Roger Fauroux in Fichier des personnes dĂ©cĂ©dĂ©es (französisch).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Mort de Roger Fauroux, ancien PDG de Saint-Gobain et ministre de lâindustrie sous François Mitterrand. In: lemonde.fr. 17. Juli 2021, abgerufen am 17. Juli 2021 (französisch).
- 1 2 3 4 Ancien ministre et PDG du groupe Saint-Gobain, l'Ariégeois Roger Fauroux s'est éteint à l'ùge de 94 ans. In: ladepeche.fr. 17. Juli 2021, abgerufen am 17. Juli 2021 (französisch).
- 1 2 3 4 Jean-Paul Cazes: Roger Fauroux sans complaisance. In: ladepeche.fr. 11. Oktober 1998, abgerufen am 17. Juli 2021 (französisch).
- â Annuaire. Association des anciens Ă©lĂšves, Ă©lĂšves et amis de lâĂcole normale supĂ©rieure, abgerufen am 17. Juli 2021 (französisch).
- â AndrĂ© Chervel: Les agrĂ©gĂ©s de l'enseignement secondaire. RĂ©pertoire 1809-1960. CNRS, MĂ€rz 2015, abgerufen am 17. Juli 2021 (französisch).
- â Annuaire. Association des Anciens ĂlĂšves de lâĂcole Nationale dâAdministration, abgerufen am 17. Juli 2021 (französisch).
- â Eintrag zu Marie Le Roy Ladurie in Fichier des personnes dĂ©cĂ©dĂ©es (französisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fauroux, Roger |
| ALTERNATIVNAMEN | Fauroux, Roger Jean Louis (vollstÀndiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Industriemanager, hoher Verwaltungsbeamter und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 21. November 1926 |
| GEBURTSORT | Montpellier |
| STERBEDATUM | 16. Juli 2021 |
| STERBEORT | Paris |