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Telepolis

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Telepolis
Onlinemagazin
Sprachen Deutsch
Sitz Hannover
GrĂŒnder Armin Medosch, Florian Rötzer
Betreiber Heise Medien
Redaktion Bernd MĂŒller (Chefredakteur)
Registrierung Nein
Online seit 1996
(aktualisiert 6. Okt. 2025)
https://www.telepolis.de/
Bildschirmfoto einer Themenseite (2023)

Telepolis ist ein deutschsprachiges Onlinemagazin der Heise Gruppe. Es geht auf ein gleichnamiges Kulturprojekt zurĂŒck, das 1995 vom Medienlabor MĂŒnchen entwickelt wurde. Telepolis informiert seither ĂŒber die gesellschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Aspekte des digitalen Zeitalters. Dazu zĂ€hlen beispielsweise Internetregulierung und MassenĂŒberwachung. Das Onlinemagazin ist eines der Ă€ltesten Angebote zu Themen der Netzkultur. Verschiedentlich wurde dem Magazin vorgeworfen, Verschwörungstheorien eine Plattform zu bieten. LangjĂ€hriger Chefredakteur war bis 2020 Florian Rötzer, dem Harald Neuber folgte. Seit dem 1. Oktober 2025 ist Bernd MĂŒller neuer Chefredakteur.[1]

Telepolis-Sonderheft 01/2005

Im Jahre 1995 entwickelten Armin Medosch[2] und Florian Rötzer mit Kollegen am Medienlabor MĂŒnchen einen Beitrag zur Ausstellung ĂŒber Luxemburg als „Kulturstadt Europas“.[3] Ihre Idee war es, eine virtuelle Netzgemeinschaft zu errichten, die sich an reale StĂ€dte anlehnt.[4] Die Heise Gruppe unterstĂŒtzte die Realisierung des Projekts „Telepolis“ als gemeinsinnige ErgĂ€nzung bestehender Fachmedien des Verlags, darunter die IT-Magazine c’t und iX sowie heise online. 1996 startete das Onlinemagazin mit einer Kernredaktion aus drei Personen. Im April 1997 folgte eine gedruckte Ausgabe im klassischen Zeitschriftenformat.[5][6] Verschiedene andere Medien begannen mit der Übernahme von Inhalten aus Telepolis, darunter der Der Tagesspiegel.[7]

Ende der 1990er Jahre wurde die Redaktion ausgebaut und nach dem Zusammenbruch der Dotcom-Blase im Jahr 2000/2001 wieder verkleinert, etwa durch Wegfall einer Stelle in London. Das Onlineforum, das bisher frei zugĂ€nglich war, wurde auf das Registrierungssystem von heise online migriert. Obwohl netzpolitische Themen eine geringere Rolle spielten, konnte Telepolis damals seine Reichweite als Medium fĂŒr Netzkultur behaupten.[8] In den 2000er Jahren nutzt der Heise Verlag die Marke Telepolis fĂŒr weitere Angebote, darunter eine Buchreihe und Veranstaltungen.

Am 9. Januar 2023 gab der Heise Verlag bekannt, dass kĂŒnftig ausschließlich die Domain telepolis.de benutzt wird und nicht mehr das aus der Anfangszeit stammende heise.de/tp.[9]

Ende 2024 kĂŒndigte Telepolis eine umfassende redaktionelle Überarbeitung seines Archivs an. Danach sollten zunĂ€chst vor 2021 erschienene Artikel nicht mehr verfĂŒgbar sein und spĂ€ter ausgewĂ€hlte BeitrĂ€ge wieder zugĂ€nglich gemacht werden.[10] GegenĂŒber der jungen Welt kritisierte der frĂŒhere Telepolis-Chefredakteur Florian Rötzer, die riesige Löschaktion sei ein „beispielloser Akt, mit dem ein wichtiges StĂŒck des kulturellen GedĂ€chtnisses ausradiert wird“. Als noch ungeheuerlicher bezeichnete er die AnkĂŒndigung, Telepolis werde Inhalte frĂŒherer Artikel sichten, selektieren, korrigieren und teilweise im Archiv wieder zugĂ€nglich machen. Das habe „eindeutig ZĂŒge von GeschichtsfĂ€lschung“.[11]

Rötzers Nachfolger Harald Neuber hingegen begrĂŒndete die zeitweilige Schließung des Archivs damit, dass „es in den Jahren vor 2021 wiederkehrende Probleme bei der journalistischen QualitĂ€tskontrolle“ gegeben habe. Telepolis habe „zeitweise nicht mehr nach journalistischen Prinzipien funktioniert“, sondern „Autoren mit unterschiedlichen Interessen eine Plattform geboten“.[12] Diese Art der interessengeleiteten Berichterstattung habe „grundsĂ€tzlich dem Prinzip der journalistischen NeutralitĂ€t und Distanz“ widersprochen.[12]

Seit dem 5. Juli 2025 sind sĂ€mtliche Artikel des Archivs wieder online verfĂŒgbar, allerdings zum Teil nicht ĂŒber die Suchfunktion der Seite, sondern nur ĂŒber die chronologischen Übersichtsseiten des Archivs.[12]

Organisationsstruktur und Finanzierung

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Telepolis ist ein Angebot von Heise Medien, ein Unternehmen der Heise Gruppe. Seit GrĂŒndung fĂŒhrt das Unternehmen das Onlinemagazin mit einer unabhĂ€ngigen Redaktion weitgehend unverĂ€ndert fort. Ende 2020 ging Chefredakteur und GrĂŒnder Florian Rötzer in Ruhestand, sein Nachfolger wurde Harald Neuber.[13] Neuber gab Telepolis im Jahr 2022 ein neues Leitbild, wonach es sich als Magazin verstehe, das â€žĂŒberparteilich aktuelle Informationen und pointierte EinschĂ€tzungen fĂŒr eine Gesellschaft und Welt im Umbruch“ biete. Ältere Artikel wurden zuerst mit einem Disclaimer gekennzeichnet und spĂ€ter dann ganz gelöscht.[14]

Zur Redaktion gehören drei weitere Personen, dazu kommen vier stĂ€ndige Mitarbeiter, sowie Teams fĂŒr Grafik und Webentwicklung.

Telepolis basiert auf InterRed, einem Content-Management-System, das auch fĂŒr andere Onlinemagazine der Heise Gruppe genutzt wird. Die Vermarktung der WerbeplĂ€tze von Telepolis erfolgt vollkommen unabhĂ€ngig von der Redaktion. Ein werbefreies Bezahlangebot gibt es mit Heise Pur.[15]

Am 18. MĂ€rz 2024 wurde ein freiwilliges UnterstĂŒtzermodell ohne Paywall bei Telepolis eingefĂŒhrt.[16]

Die GrĂŒnder beschrieben Telepolis als „Zeitschrift der Netzkultur“. Der Verlag nannte das Angebot eine „zeitgemĂ€ĂŸe Ausgabe einer Kulturzeitschrift“. Die Tageszeitung ordnete Telepolis 1996 als „Zeitschrift fĂŒr die gebildeten Online-StĂ€nde“ ein und erkannte avantgardistische ZĂŒge.[17] Telepolis veröffentlicht aktuelle Nachrichten sowie Kommentare und Interviews. Das Onlinemagazin deckt ein breites Spektrum ab – von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Energie und Klima bis zu Kultur und Medien. Das Leserforum ist mit heise online vergleichbar und wird passiv moderiert. Neben redaktionellen Inhalten kommen Gastautoren zu Wort. Darunter waren etwa der Armutsforscher Christoph Butterwegge, der Politikwissenschaftler Christian Hacke, die Theologin Margot KĂ€ĂŸmann, der Science-Fiction-Autor und Philosoph StanisƂaw Lem, der Medienkritiker Douglas Rushkoff und die Politikerin Antje Vollmer.

Telepolis bietet vom sogenannten Mainstream abweichenden Meinungen zu zeitgeschichtlichen Themen ein Forum. Bereits zwei Tage nach den TerroranschlĂ€gen am 11. September 2001 mutmaßte Mathias Bröckers in einem Beitrag auf Telepolis, die Bush-Regierung habe die Attentate mit Absicht geschehen lassen. Aus dem einen Artikel wurde im Lauf der Zeit eine Verschwörungsserie, die Bröckers zu einem Star der Truther-Szene machte[18] und ihm von Wolfgang Wippermann AntisemitismusvorwĂŒrfe einbrachte.[19]

In ihrem Aufsatz LĂŒgenpresse – Eine Verschwörungstheorie? behandeln Uwe KrĂŒger und Jens Seiffert-Brockmann 2017 Gegenöffentlichkeiten und Alternativmedien, die in verschiedenen Milieus und weltanschaulichen Richtungen verankert sind. WĂ€hrend der Ukraine-Krise 2014 untersuchten sie unter anderem Telepolis und stellten fest, dass dieses Medium aus einer linken Perspektive Informationen hervorhob, die den pro-westlichen Akteuren negativ gegenĂŒberstanden und das Narrativ der demokratischen Revolution in Frage stellten. Solchen Medien sei gemeinsam, „dass sie an einer Perforierung der etablierten Medienwirklichkeit arbeiten, RealitĂ€tsdefinitionen der etablierten Massenmedien in Zweifel ziehen, Referenzrahmen und Axiome des Mainstreams fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€ren und austauschen.“ Die freiheitlich-pluralistische Demokratie werde als Meinungsdiktatur hingestellt, die auf einer Verschwörung zwischen herrschenden Eliten und etablierten Medien basiere.[20]

Der Amerikanist und Verschwörungstheorieforscher Michael Butter reihte Telepolis 2019 ein in die alternativen Medien wie KenFM, NachDenkSeiten oder Rubikon, die alle eine Gegenöffentlichkeit zu den traditionellen QualitĂ€tsmedien und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk bilden wĂŒrden. Laut Butter bedienen sie Verschwörungstheorien wie die von der „LĂŒgenpresse“ und verkaufen diese als seriöse Nachrichten.[21]

Der baden-wĂŒrttembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume wies 2020 auf die strukturellen ZusammenhĂ€nge zwischen Verschwörungstheorien und Antisemitismus hin und bezog sich dabei auf einen telepolis-Beitrag von Markus Kompa, der behauptet hatte, dass der Begriff „conspiracy theory“ von der CIA im Jahr 1967 erfunden worden sei, um Zweifler an der offiziellen Version des Kennedy-Mordes zu diskreditieren. Seitdem wĂŒrden gehorsame deutsche Medien nach CIA-Vorgabe kritische Stimmen als Verschwörungstheoretiker stigmatisieren. Die VerschwörungserzĂ€hler unterstellten daher ihren Kritikern, letztlich im „Auftrag der CIA“ nur missliebige Andersdenkende zu diffamieren. TatsĂ€chlich sei der Begriff aber schon seit dem 19. Jahrhundert nachweisbar und im heutigen Sinn z. B. schon ab 1948 vom Wissenschaftsphilosophen Karl Popper verwendet worden. Kompa, der auch beim russischen Staatssender Russia Today und beim Verschwörungsideologen Ken Jebsen aufgetreten ist, habe so „einen ĂŒblen Verschwörungsmythos im deutschen Sprachraum digital hochgeschwurbelt, der inzwischen zum festen Bestandteil auch des Antisemitismus geworden“ sei.[22]

Commons: Telepolis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Redaktion Telepolis: Stabwechsel bei Telepolis: Bernd MĂŒller folgt auf Harald Neuber. In: Telepolis. heise, 2. Oktober 2025, abgerufen am 6. Oktober 2025.
  2. ↑ Trauer um den Grazer Netzpionier Armin Medosch. In: Kleine Zeitung. 4. MĂ€rz 2017, S. 67.
  3. ↑ Telepolis: Eine virtuelle Stadt. In: Badische Zeitung. 8. Juni 2011, S. 13.
  4. ↑ Niko Waesche: EuropĂ€ische Wurzeln des Webs. In: Financial Times Deutschland. 18. Juli 2000, S. 30.
  5. ↑ Klemens Polatschek: Der WĂ€rmetod des Denkens. „Telepolis“ – eine neue Zeitschrift fĂŒr die gebildeten Online-StĂ€nde. In: Die Zeit. Nr. 16, 1997.
  6. ↑ Thomas Mrazek: Denken ist Arbeit. Das Magazin „Telepolis“ wird zwei Jahre alt. In: Die Tageszeitung. 9. April 1998, S. 23.
  7. ↑ Gemeinsamer Themenspot im Netz: Tagesspiegel-Online mit Netzmagazin Telepolis. In: Der Tagesspiegel. 9. November 1997, S. 31.
  8. ↑ Markus Ehrenberg: Telepolis und wie sie die Welt sah. Wie es eine Online-Zeitschrift fĂŒr Netzkultur im sechsten Jahr schafft, trotzdem gelesen zu werden. In: Der Tagesspiegel. 14. MĂ€rz 2001, S. 30.
  9. ↑ Harald Neuber: Redaktionelle und technische Neuaufstellung: Telepolis auf neuer Domain. In: Heise online. 9. Januar 2023. Abgerufen am 9. Januar 2023.
  10. ↑ Harald Neuber: QualitĂ€tsoffensive: Telepolis ĂŒberprĂŒft historische Artikel. In: Telepolis. heise, 6. Dezember 2024, abgerufen am 6. Dezember 2024.
  11. ↑ Ludger van der Heyden: Der Heise Scheiß. Zensur des Archivs, KI-Journalismus und Mainstream: Kritiker beklagen GeschichtsfĂ€lschung bei Onlinemagazin Telepolis. In: junge welt, 13. Dezember 2024.
  12. 1 2 3 Harald Neuber: QualitÀtsoffensive: Telepolis macht historisches Archiv wieder zugÀnglich. In: Telepolis, 5. Juli 2025.
  13. ↑ Alfons SchrĂ€der: An den Nachdenker unter den Schnelldenkern. In: Heise online. 31. Dezember 2020. Abgerufen am 21. Februar 2023.
  14. ↑ Harald Neuber: Über Telepolis. In: Telepolis.de. 2022, abgerufen am 29. April 2024.
  15. ↑ Volker Zota: In eigener Sache: Mit „Pur“ heise online ohne Tracking und externe Werbung lesen. In: Heise online. 26. Januar 2021. Abgerufen am 26. Juli 2021.
  16. ↑ Sylke Wilde: Online-Magazin Telepolis fĂŒhrt UnterstĂŒtzermodell ein (Pressemitteilung). In: heisegroup.de. 18. MĂ€rz 2024, abgerufen am 28. MĂ€rz 2024.
  17. ↑ Tilman BaumgĂ€rtel: Netzphilosophie: „Telepolis“, eine Zeitschrift fĂŒr die gebildeten Online-StĂ€nde, bedient das anhaltende BedĂŒrfnis nach Gedrucktem. In: Die Tageszeitung. 4. November 1996, S. 16.
  18. ↑ Felix Huesmann: Mythen rund um 9/11: Die Einstiegsdroge in die Welt der Verschwörungen. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 11. September 2021, abgerufen am 22. MĂ€rz 2022.
  19. ↑ Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute, be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 134–140.
  20. ↑ Uwe KrĂŒger, Jens Seiffert-Brockmann: „LĂŒgenpresse“ – Eine Verschwörungstheorie? HintergrĂŒnde, Ursachen, Auswege. In: Hektor Haarkötter, Jörg-Uwe Nieland (Hrsg.): Nachrichten und AufklĂ€rung. Medien- und Journalismuskritik heute: 20 Jahre Initiative NachrichtenaufklĂ€rung Springer-Verlag, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-18098-0 doi:10.1007/978-3-658-18099-7_4, S. 67–88, hier S. 68 ff (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  21. ↑ Michael Butter: Verschwörungs(theorie)panik. „Filter Clash“ zweier Öffentlichkeiten. In: Heiner Hastedt (Hrsg.): Deutungsmacht von Zeitdiagnosen. InterdisziplinĂ€re Perspektiven. transcript Verlag, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4592-7, S. 197–211, hier S. 205 (abgerufen ĂŒber De Gruyter Online).
  22. ↑ Michael Blume: Verschwörungsfragen 10 – Regiert die CIA ĂŒber den Vorwurf des Verschwörungstheoretikers die deutschen Medien? In: Spektrum der Wissenschaft. 27. April 2020, abgerufen am 14. Juli 2024.
  23. ↑ Grimme Online Awards 2002. Adolf-Grimme-Institut, abgerufen am 10. September 2022.
  24. ↑ Lead Awards 2004. Lead Academy fĂŒr Medien, abgerufen am 10. September 2022.