Ties Rabe

Ties Rabe (* 14. November 1960 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (SPD). Er war von 2011 bis 2024 Hamburger Senator fĂŒr Schule und Berufsbildung und zuvor von 2008 bis 2011 Mitglied der Hamburgischen BĂŒrgerschaft.
Leben und Beruf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Abitur am Gymnasium Wentorf im Jahr 1979 und seinem Zivildienst im Pflegedienst im Bethesda-Krankenhaus Hamburg-Bergedorf absolvierte Rabe in den Jahren 1981 bis 1987 an der UniversitĂ€t Hamburg ein Lehramtsstudium fĂŒr das gymnasiale Lehramt in den FĂ€chern Religion, Deutsch und Geschichte, das er mit dem Ersten Staatsexamen (Notendurchschnitt 1,0) abschloss. Von 1987 bis 1989 absolvierte Ties Rabe das Referendariat in Hamburg, das er 1989 mit dem Zweiten Staatsexamen (Notendurchschnitt 1,0) abschloss.
Aufgrund der damals schlechten Einstellungschancen fĂŒr LehrkrĂ€fte war fĂŒr Rabe nach dem Referendariat der Weg in den Schuldienst versperrt. Deshalb wechselte er in den Medienbereich, wo er zunĂ€chst als freier Mitarbeiter und von 1990 bis 1991 als Redakteur und Redaktionsleiter des Anzeigenwochenblattes âBergedorfer Rundschauâ tĂ€tig war. Von 1991 bis 2002 ĂŒbernahm Rabe als Redakteur und Redaktionsleiter die Redaktion des Elbe-Wochenblatt-Verlags, der damals insgesamt sieben AnzeigenwochenblĂ€tter in Hamburg herausgab.[1]
In den Jahren 2002 bis 2006 arbeitete Rabe als hauptamtlicher LandesgeschĂ€ftsfĂŒhrer der SPD Hamburg. Danach wechselte Ties Rabe in den Schuldienst und arbeitete von 2006 bis zu seiner Ernennung zum Senator der Behörde fĂŒr Schule und Berufsbildung im Jahr 2011 als Lehrer am Luisen-Gymnasium Bergedorf.
Er ist seit 1983 mit seiner Schulfreundin Katrin Rabe verheiratet und hat drei Kinder sowie fĂŒnf Enkelkinder.
Politische Laufbahn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ties Rabe trat im Jahr 1991 in die SPD ein. Er war von 2001 bis September 2020 Vorsitzender der SPD Bergedorf[2] und in dieser Funktion zugleich stĂ€ndiges Mitglied im Landesvorstand der SPD Hamburg. Mit seiner Entlassung als GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Hamburger SPD begann ein innerparteilicher Streit in der Hamburger SPD, der schlieĂlich 2006 zum so genannten âStimmenzettelklauâ im Rahmen der Urwahl eines neuen SPD-Landesvorsitzenden sowie zum RĂŒcktritt des gesamten SPD-Landesvorstands im Jahr 2007 fĂŒhrte.[3][4] Im FrĂŒhjahr 2007 wurde er nach einer schweren Krise der Hamburger SPD erneut als Mitglied in den SPD-Landesvorstand gewĂ€hlt[5], dem er bis zu seinem offiziellen Ausscheiden im 2020 ohne Unterbrechung angehörte.
Im Februar 2008 konnte Ties Rabe bei der BĂŒrgerschaftswahl ĂŒber den Wahlkreis Bergedorf erstmals als Abgeordneter in die Hamburgische BĂŒrgerschaft einziehen. Dort war er fĂŒr seine Fraktion Fachsprecher fĂŒr die Bereiche Bildung und Schule, Mitglied des Fraktionsvorstandes und Vorsitzender des Schulausschusses der Hamburgischen BĂŒrgerschaft. Zudem war er Mitglied im Schulausschuss und Umweltausschuss. Bei der folgenden BĂŒrgerschaftswahl im Februar 2011 kandidierte Ties Rabe erneut fĂŒr den Wahlkreis Hamburg-Bergedorf und gewann den Wahlkreis mit dem besten Ergebnis aller Kandidaten. Nachdem die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Olaf Scholz die BĂŒrgerschaftswahl 2011 mit absoluter Mehrheit gewonnen hatte, wurde am 16. MĂ€rz 2011 bekannt, dass Ties Rabe Bildungssenator der Freien und Hansestadt Hamburg werden soll.[6] Am 23. MĂ€rz 2011 ernannte BĂŒrgermeister Olaf Scholz Rabe zum Senator und PrĂ€ses der Behörde fĂŒr Schule und Berufsbildung. Am gleichen Tag wurde Rabe von der BĂŒrgerschaft bestĂ€tigt (Senat Scholz I). Entsprechend der Hamburgischen Verfassung ruhte sein BĂŒrgerschaftsmandat wĂ€hrend seiner Mitgliedschaft im Senat.
Rabe war im Jahr 2012 PrĂ€sident der Kultusministerkonferenz.[7] Ab dem Jahr 2015 war Rabe Koordinator der SPD-regierten BundeslĂ€nder (der sogenannten A-LĂ€nder) fĂŒr Bildung und Wissenschaft und kooptiertes PrĂ€sidiumsmitglied der Kultusministerkonferenz. Bei den folgenden BĂŒrgerschaftswahlen 2015 und 2020[8] trat Ties Rabe erneut im BĂŒrgerschaftswahlkreis Hamburg-Bergedorf an und eroberte den Wahlkreis jeweils mit dem besten Stimmenergebnis aller Bergedorfer Kandidaten.
Am 15. Januar 2024 reichte Ties Rabe nach 13 Jahren Amtszeit seinen RĂŒcktritt ein. FĂŒr seine Entscheidung gab er gesundheitliche Probleme und private GrĂŒnde an. Ihm folgte Ksenija Bekeris nach.[9]
Schulpolitik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ties Rabe vertrat die so genannte âempirische Wendeâ in der Schulpolitik, die auf regelmĂ€Ăige Erhebungen von LernstĂ€nden setzt. Mehrfach sprach er sich öffentlich dafĂŒr aus, in der Schule die Leistung der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zu fördern. In der Notengebung setzte er den Hamburger Kurs mit regelmĂ€Ăigen Noten erst ab Klasse 4 fort, reformierte aber die Zeugnisse in den Grundschulen mit einem einheitlichen, an einem Kompetenzraster orientierten Zeugnis fĂŒr alle Jahrgangsstufen der Grundschule. Schwerpunkte seiner Schulpolitik waren die StĂ€rkung der KernfĂ€cher, die Entwicklung der Schul- und UnterrichtsqualitĂ€t, der Ausbau des Ganztags und der Inklusion sowie eine Schulbauoffensive.
Aufstieg Hamburgs bei Vergleichsstudien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Rabes Amtszeit konnte sich das Bundesland Hamburg bei bundesweiten Vergleichsstudien zur schulischen QualitĂ€t deutlich verbessern. Aufsehen erregte im Oktober 2022 der âIQB-Bildungstrendâ, der die Basiskompetenzen der ViertklĂ€ssler testete. In der Summe der einzelnen Testbereiche steigerte sich Hamburg von Platz 14 aller BundeslĂ€nder in 2011 auf Platz 6 im Jahr 2022. Das gute Abschneiden Hamburgs löste ein bundesweites Echo aus. Bei nachfolgenden Studien â beispielsweise dem IQB-Bildungstrend fĂŒr Deutsch und Englisch in Klassenstufe 9 â bestĂ€tigte sich dieser Trend, hier belegte Hamburg im Vergleich der BundeslĂ€nder sogar Platz 4.[10]
QualitÀtsmanagement
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In seiner Amtszeit wurde ein umfassendes QualitĂ€tsmanagement fĂŒr Hamburgs Schulen aufgebaut. Bausteine sind unabhĂ€ngige Schulinspektionen, jĂ€hrliche zentrale Lernstandsuntersuchungen in allen Klassen der JahrgĂ€nge 2, 3, 5, 7, 8 und 9, zentrale Abschlussklausuren in fast allen SchulfĂ€chern und SchulabschlĂŒssen sowie die Erfassung von Schuldaten wie Unterrichtsausfall, Personalsituation und Bewirtschaftung der Schulbudgets. Die Ergebnisse und Kennzahlen werden zwei Mal jĂ€hrlich zwischen der Schulaufsicht (Schulrat) und jeder einzelnen Schulleitung erörtert, um die Entwicklung und Verbesserung der Schulen zu koordinieren.
Ganztagsangebote in Hamburg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Rabe reformierte 2012 die Ganztagsangebote. Seitdem haben alle staatlichen Schulen ein kostenloses Ganztagsangebot fĂŒr alle SchĂŒlerinnen und SchĂŒler von 8 bis 16 Uhr. Gegen eine geringe GebĂŒhr können die Eltern zusĂ€tzliche Betreuungszeiten am frĂŒhen Morgen vor 8 Uhr und am spĂ€ten Nachmittag nach 16 Uhr sowie Betreuung wĂ€hrend der Ferienzeiten buchen. Obwohl die meisten Angebote freiwillig sind, nehmen knapp 90 Prozent aller Grundschulkinder das Angebot in Anspruch.[11] Die personelle Ausstattung der Ganztagsangebote wurde â u. a. auch aufgrund einer Vereinbarung mit einer Volksinitiative â mehrfach verbessert.
Inklusion in Hamburg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ties Rabe reformierte in mehreren Schritten die Inklusion. In Hamburg können seit 2012 die Eltern von Kindern und Jugendlichen mit sonderpĂ€dagogischem Förderbedarf frei wĂ€hlen, ob ihr Kind eine allgemeine oder eine der nach wie vor bestehenden 39 Sonderschulen besucht. In der Folge sank der Anteil von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern auf Sonderschulen (Exklusionsanteil) von 4,9 Prozent (2008/09) auf 2,8 Prozent (2019/20). Im gleichen Zeitraum ist der Inklusionsanteil, also der Anteil der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mit Förderbedarf an Regelschulen, um 50 Prozentpunkte von 14,4 Prozent (2008/09) auf 64,4 Prozent (2019/20) gestiegen.[12] FĂŒr die pĂ€dagogische Begleitung von Kindern mit sonderpĂ€dagogischem Förderbedarf bekommen die allgemeinen Schulen zusĂ€tzliche Personalressourcen, um Doppelbesetzungen im Unterricht, Betreuung und Organisation sowie konzeptionelle Arbeit an allgemeinen Schulen zu sichern.
Schulbauoffensive
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Zusammenarbeit zwischen der Behörde fĂŒr Schule und Berufsbildung unter Ties Rabe und der Finanzbehörde unter den Finanzsenatoren Peter Tschentscher und Andreas Dressel wurde der Schulbau in Hamburg reformiert. Als Dienstleister organisiert das öffentliche Unternehmen âSchulbau Hamburgâ Bau, Sanierung und Betrieb der Schulen, finanziert wird der Schulbau ĂŒber ein Sondervermögen. Dieser neue Rahmen ermöglichte in Hamburg seit 2012 eine Schulbauoffensive, die dank einer erheblichen Steigerung der Mittel von rund 150 Mio. Euro pro Jahr (Jahre 2000 bis 2010) auf 350 bis 400 Mio. Euro pro Jahr (Jahre 2013 bis 2023) einen umfangreichen Ausbau und eine qualitative Verbesserung der SchulgebĂ€ude ermöglichte. In diesem Zusammenhang werden alle schulischen Neubauten nach WĂ€rmestandard EH40 gebaut.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â https://www.hamburg.de/senat/2829564/ties-rabe/
- â SPD wĂ€hlt neuen Kreisvorstand In: SPD Bergedorf, 7. Oktober 2020, abgerufen am 5. Februar 2021
- â Hamburger Abendblatt vom 2. September 2006 und 6. September 2006
- â Die SPD in der Krise: Jetzt schieĂt die Basis gegen Petersen. In: Hamburger Morgenpost, 7. September 2006, abgerufen am 22. November 2017
- â Hamburger Abendblatt vom 20. MĂ€rz 2007
- â Ties Rabe soll Bildungssenator werden. ( vom 18. MĂ€rz 2011 im Internet Archive) In: www.mopo.de
- â Kultusministerkonferenz: Senator Ties Rabe (Hamburg) neuer PrĂ€sident der Kultusministerkonferenz. In: www.kmk.org. StĂ€ndige Konferenz der Kultusminister der LĂ€nder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK), 23. Januar 2012, archiviert vom am 28. Januar 2012; abgerufen am 2. Februar 2012.
- â VorlĂ€ufiges Ergebnis der BĂŒrgerschaftswahl 2020: GewĂ€hlte Abgeordnete der 22. Hamburgischen BĂŒrgerschaft. In: www.statistik-nord.de. Statistisches Amt fĂŒr Hamburg und Schleswig-Holstein â Anstalt des öffentlichen Rechts â (Statistikamt Nord)., 24. Februar 2020, abgerufen am 10. MĂ€rz 2020.
- â Hamburgs Schulsenator Ties Rabe tritt ĂŒberraschend zurĂŒck. In: ndr.de. 15. Januar 2024, abgerufen am 15. Januar 2024.
- â Britta Klar, Annette Kuhn: IQB-Bildungstrend 2022 â die wichtigsten Ergebnisse. In: Das Deutsche Schulportal. 8. Dezember 2023, abgerufen am 16. Januar 2024 (aktualisierte Fassung des ursprĂŒnglichen Beitrags vom 13. Oktober 2023).
- â Ganztagsbetreuung fĂŒr GrundschĂŒler: Hamburg auf Platz 1! In: www.mopo.de. 5. Juli 2022, abgerufen am 16. Januar 2024.
- â Klaus Klemm: Zum aktuellen Stand der Inklusion in Deutschlands Schulen. Friedrichs Bildungsblog. In: www.fes.de. Friedrich-Ebert-Stiftung, 15. Juni 2021, abgerufen am 16. Januar 2024.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rabe, Ties |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (SPD), MdHB |
| GEBURTSDATUM | 14. November 1960 |
| GEBURTSORT | Hamburg |