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Peter-André Alt

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Portraitfoto von Prof. Dr. Peter-André Alt, PrÀsident der Hochschulrektorenkonferenz (Foto 2018: David Ausserhofer)
Peter-André Alt (2018).

Peter-AndrĂ© Alt (* 16. Juni 1960 in West-Berlin) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer. Von 1995 bis 2002 war er ordentlicher Professor fĂŒr Neuere Deutsche Literatur (NDL) an der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum und von 2002 bis 2005 an der Julius-Maximilians-UniversitĂ€t WĂŒrzburg. Seit 2005 ist er Inhaber des NDL-Lehrstuhls an der Freien UniversitĂ€t Berlin, deren PrĂ€sident er auch von 2010 bis 2018 war. Von August 2018 bis Ende MĂ€rz 2023 war er PrĂ€sident der Hochschulrektorenkonferenz.

1979 machte er Abitur.[1] Von 1979 bis 1984 studierte Alt Germanistik, Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Freien UniversitĂ€t Berlin, wo er 1984 promoviert wurde und sich 1993 habilitierte. Von 1987 bis 1992 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Hans-JĂŒrgen Schings an der Freien UniversitĂ€t, von 1992 bis 1993 nahm er ein Habilitationsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wahr, von 1994 bis 1995 war er Heisenberg-Stipendiat der DFG. 1995 wurde er auf eine ordentliche Professur fĂŒr NDL an der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum berufen. 2002 wechselte er auf einen Lehrstuhl an der Julius-Maximilians-UniversitĂ€t WĂŒrzburg. Seit 2005 ist er als Nachfolger seines Lehrers Schings Professor fĂŒr Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Freien UniversitĂ€t Berlin.

Alt war von 2008 bis 2010 Direktor der Dahlem Research School (Center for Graduate Studies) der Freien UniversitĂ€t Berlin. Außerdem leitete er von 2007 bis 2010 die Friedrich Schlegel Graduate School of Literary Studies (Exzellenzförderung des Bundes und der LĂ€nder). Er ist Mitglied in zahlreichen BeirĂ€ten (Deutsches Literaturarchiv Marbach, Ludwig Boltzmann Institut fĂŒr Geschichte und Theorie der Biographie[2]) und Gutachter des Deutschen Akademischen Austauschdienstes DAAD. Er hat Gastdozenturen u. a. in Triest (Italien) wahrgenommen; Forschungsaufenthalte haben ihn als Visiting Scholar an die University of Cambridge, in die USA (Princeton University), nach Italien (Rom, La Villa, Como) und Tschechien (Prag) gefĂŒhrt. Von 2008 bis 2020 war Alt im Vorstand der Deutschen Schillergesellschaft (TrĂ€gerverein des Deutschen Literaturarchivs), von 2012 bis 2020 deren PrĂ€sident.[3]

Am 12. Mai 2010 wurde Alt durch den Erweiterten Akademischen Senat zum PrÀsidenten der Freien UniversitÀt Berlin gewÀhlt. Seine Amtszeit begann am 3. Juni 2010. Am 30. April 2014 wurde Peter-André Alt als PrÀsident der Freien UniversitÀt Berlin wiedergewÀhlt. Seine Amtszeit endete 2018.

Im April 2018 wurde Alt als Nachfolger von Horst Hippler zum PrĂ€sidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gewĂ€hlt. Am 1. August 2018 trat er das Amt an.[4] Am 27. April 2021 wurde Alt von der HRK-Mitgliederversammlung fĂŒr weitere drei Jahre als PrĂ€sident ab 1. August 2021 wiedergewĂ€hlt.[5]

Alt ist verheiratet mit der Schriftstellerin Sabine Alt (Eva Ehley) und hat zwei erwachsene Söhne.

Zum 31. MĂ€rz 2023 hat Peter-AndrĂ© Alt sein Amt als PrĂ€sident der Hochschulrektorenkonferenz 16 Monate verfrĂŒht niedergelegt.[6] Er wechselte in den Vorsitz der GeschĂ€ftsfĂŒhrung der 2023 neu gegrĂŒndeten WĂŒbben Stiftung Wissenschaft in Berlin.[7]

Alts Veröffentlichungen umfassen seit 1985 20 Monographien, mehr als 100 AufsĂ€tze, 25 Rezensionen, mehrere Editionen, sechs SammelbĂ€nde zur deutschsprachigen und europĂ€ischen Literatur des 17. bis 18. und des 20. Jahrhunderts. Besondere historische Schwerpunkte bilden dabei die FrĂŒhe Neuzeit, die Weimarer Klassik und die Literatur der klassischen Moderne.

Im Zentrum seiner ForschungstĂ€tigkeit stehen Fragen der HistorizitĂ€t und NormativitĂ€t poetologischer und Ă€sthetischer Ordnungssysteme, der Tragödiengeschichte, des VerhĂ€ltnisses von Wissen und Literatur in der FrĂŒhen Neuzeit (Traum, Imagination, Hermetismus, Paradoxie) und der Reflexion der politischen Theologie in Texten des 17. Jahrhunderts. Ein wichtiges Arbeitsgebiet Alts ist zudem die literaturwissenschaftliche Biographik, sowohl im Hinblick auf ihre spezifische Methodologie als auch in Bezug auf Probleme literarischer Autorschaft. Seit 2005 veröffentlicht Alt regelmĂ€ĂŸig in regionalen und ĂŒberregionalen Tageszeitungen Artikel zu Fragen der Wissenschafts- und Bildungspolitik.

Alts wissenschaftlich fundierte Biografien zu Friedrich Schiller (2000) und Franz Kafka (2005) und Sigmund Freud (2016), die seine Fachveröffentlichungen ergĂ€nzen, erreichten ein grĂ¶ĂŸeres Publikum. Als „unbezweifelbar von hohem intellektuellem Rang“ bezeichnete Rolf-Bernhard Essig in der Die Zeit Alts „Schiller“; Albert von Schirnding lobte die „originellen Befunde“ des Autors.[8] Oliver Pfohlmann betonte in Die Tageszeitung, Alts Kafka-Biografie sei ein „großer Wurf“, Gerhard Neumann sprach in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von einer „großen“ Biografie.[9]

Alts Freud-Biografie wurde kritischer rezipiert u. a. in fĂŒnf ĂŒberregionalen deutschsprachigen Tageszeitungen. Das Buch wurde dort einhellig als einseitig und spekulativ kritisiert. Es enthalte nichts Neues außer der unbelegten These, Freuds Vorstellungen von SexualitĂ€t seien durch seine eigene sexuelle Enthaltsamkeit geprĂ€gt.[10] In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gelangte Ulrike May nach einer detaillierten AufzĂ€hlung von sachlichen Fehlern zu folgendem Fazit: „Leser, die sich eine erste Vorstellung von Freud und der Psychoanalyse machen wollen, sollten sich aber bewusst bleiben, dass man dem Autor dieser Biographie nicht trauen kann.“[11]

In Österreich wurde das Buch dagegen zustimmend aufgenommen. Alfred Pfoser vermerkte in Der Falter, der Autor dieser „wahrlich beachtlichen Biografie“ könne „mit vielen neuen Details aufwarten“.[12] Der Standard konstatierte, es handele sich um eine Freud-Biografie, die „auf 1000 Seiten etliches Neues“ bringe.[13] Andreas Kremla bescheinigte dem Buch eine „gute Balance aus kritischer Distanz und Empathie“ und erklĂ€rt, es handele sich um „die bislang ausfĂŒhrlichste“ Exkursion in Leben und Zeit Freuds.[14]

Werke (Auswahl)

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  • Ironie und Krise: ironisches ErzĂ€hlen als Form Ă€sthetischer Wahrnehmung in Thomas Manns „Der Zauberberg“ und Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ (= EuropĂ€ische Hochschulschriften, Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur, Band 722). Lang, Frankfurt am Main / Bern / New York, NY 1985, ISBN 3-8204-5257-5 (Dissertation FU Berlin 1984, 471 Seiten).
  • Ironie und Krise. Ironisches ErzĂ€hlen als Form ironischer Wahrnehmung in Thomas Manns „Der Zauberberg“ und Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“. 2. verĂ€nderte Auflage, Lang, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-631-41625-3.
  • Begriffsbilder. Studien zur literarischen Allegorie zwischen Opitz und Schiller (= Studien zur Deutschen Literatur, Band 131). Niemeyer, TĂŒbingen 1995, ISBN 3-484-18131-1 (Habilitation FU Berlin 1993, 682 Seiten).
  • AufklĂ€rung (= Lehrbuch Germanistik). Metzler, Stuttgart 1996, 3. Auflage 2007, ISBN 978-3-476-02236-3.
  • Friedrich Schiller. Beck, MĂŒnchen 2004, 2. Auflage 2009 (Beck-Wissen, 2357)
  • Franz Kafka. Der ewige Sohn. Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2005, 2. Auflage 2008, ISBN 978-3-406-57535-8 (Sonderausgabe 2023, ISBN 978-3-406-80852-4).
  • Kafka und der Film. Über kinematographisches ErzĂ€hlen. Beck, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-406-58748-1.
  • Klassische Endspiele. Das Theater Goethes und Schillers. Beck, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-406-56929-6.
  • Schiller. Leben, Werk, Zeit. (2 BĂ€nde) 3. Auflage, Beck, MĂŒnchen 2009 (zuerst 2000),
    1. 1759–1791. ISBN 978-3-406-58681-1.
    2. 1791–1805. ISBN 978-3-406-58682-8.
  • Der Schlaf der Vernunft. Literatur und Traum in der Kulturgeschichte der Neuzeit. Beck, MĂŒnchen 2002, ISBN 3-406-49337-8.
  • Der Tod der Königin. Frauenopfer und politische SouverĂ€nitĂ€t im Trauerspiel des 17. Jahrhunderts. De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-018117-7 (Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte; Band 30).
  • Tragödie der AufklĂ€rung. Eine EinfĂŒhrung. Francke, TĂŒbingen 1994, ISBN 3-8252-1781-7 (UTB; 1781).
  • Die Verheißungen der Philologie. Wallstein, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0175-7 (Göttinger SudelbuchblĂ€tter).
  • Von der Schönheit zerbrechender Ordnungen. Körper, Politik und Geschlecht in der Literatur des 17. Jahrhunderts. Wallstein, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0194-8.
  • Ästhetik des Bösen. Beck, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-406-60503-1.
  • ImaginĂ€res Geheimwissen. Untersuchungen zum Hermetismus in literarischen Texten der FrĂŒhen Neuzeit, V & R, unipress, Göttingen 2012, ISBN 978-3-89971-675-7.
  • Sigmund Freud. Der Arzt der Moderne. Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-406-69688-6 (ĂŒber das Buch).
  • "Jemand musste Josef K. verleumdet haben 
". Erste SĂ€tze der Weltliteratur und was sie uns verraten. Beck, MĂŒnchen 2020, ISBN 978-3-406-75004-5.
  • Exzellent!? Zur Lage der deutschen UniversitĂ€t. Beck, MĂŒnchen 2021, ISBN 978-3-406-77690-8.[18]
  • Die Kanzler und die Intellektuellen. Geschichte einer unbequemen Beziehung. C.H. Beck 2026, ISBN 978-3-406-83720-3.[19]
Presseberichte

Einzelnachweise

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  1. ↑ Peter-AndrĂ© Alt im GesprĂ€ch. NDR, 29. Februar 2020, abgerufen am 27. Juni 2020.
  2. ↑ Struktur und Organisation des Ludwig Boltzmann Instituts fĂŒr Geschichte und Theorie der Biographie. Abgerufen am 11. Mai 2014.
  3. ↑ Peter-AndrĂ© Alt ist neuer PrĂ€sident der Deutschen Schillergesellschaft. In: Deutsches Literaturarchiv Marbach: PM 46/2012. 3. Mai 2014, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 3. Mai 2014; abgerufen am 29. Juni 2020.
  4. ↑ Peter-AndrĂ© Alt wird neuer HRK-PrĂ€sident. Hochschulrektorenkonferenz, 24. April 2018, abgerufen am 27. Juni 2020.
  5. ↑ Peter-AndrĂ© Alt als HRK-PrĂ€sident wiedergewĂ€hlt. Hochschulrektorenkonferenz, 27. April 2021, abgerufen am 4. Mai 2021.
  6. ↑ Peter-AndrĂ© Alt: Wechsel zu neuer Stiftung. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 9. Juli 2022]).
  7. ↑ Ziele einer privaten Wissenschaftsstiftung: „Wir wollen die Internationalisierung voranbringen“. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 31. Mai 2024]).
  8. ↑ Rolf-Bernhard Essig, in: Die Zeit vom 23. MĂ€rz 200; Rolf Albert v. Schirnding, in: SĂŒddeutsche Zeitung vom 5. Januar 2001.
  9. ↑ Oliver Pfohlmann, in: Die Tageszeitung vom 4. Februar 2006; Gerhard Neumann, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Mai 2006.
  10. ↑ perlentaucher.de. Das Kulturmagazin: FĂŒnf Rezensionsnotizen, Oktober bis Dezember 2016.
  11. ↑ Ulrike May: Nur kein Sex, wenn's um den Sexus geht - Und jetzt wird so richtig sublimiert: Peter-AndrĂ© Alt legt eine neue Biographie Sigmund Freuds mit einer steilen These vor., In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Besprechung von 15. Oktober 2016.
  12. ↑ Alfred Pfoser, in: Der Falter 41/2016.
  13. ↑ Der Standard vom 20. Dezember 2016.
  14. ↑ Andreas Kremla, in: Buchkultur. Nr. 168, Oktober/November 2016.
  15. ↑ Sachbuchpreis 2010 geht an Kesslers TagebĂŒcher. In: NDR Kultur. Norddeutscher Rundfunk, November 2010, abgerufen am 31. Juli 2021.
  16. ↑ CharitĂ©-UniversitĂ€tsmedizin Berlin: Festakt Virchow. Abgerufen am 6. Mai 2022.
  17. ↑ Bekanntgabe der OrdenstrĂ€gerinnen und OrdenstrĂ€ger. In: bundespraesident.de. 10. August 2026, abgerufen am 11. August 2026.
  18. ↑ SĂŒddeutsche Zeitung: Peter-AndrĂ© Alts Buch „Exzellent!? Zur Lage der deutschen UniversitĂ€t“. Abgerufen am 25. April 2022.
  19. ↑ Inhaltsverzeichnis + Leseprobe (pdf, 59 S.)