MAN gl

1./FeldArtLehrBtl 51 Idar-Oberstein

MAN gl oder auch MAN mil gl ist der Name einer Baureihe von militärischen, geländegängigen Lastkraftwagen mit Allradantrieb, die in den 1960er Jahren auf Anforderung der deutschen Bundeswehr als Sonderentwicklung entstand. Die Fahrzeuge wurden mehrfach technisch weiterentwickelt und werden bis heute gebaut. Es gibt Varianten mit der Gesamtzahl von 2, 3, oder 4 permanent angetriebenen Achsen (entsprechend einer Antriebsformel von 4Ă4, 6Ă6, und 8Ă8) mit modellabhängiger Nutzlast bzw. Zuladung von 5, 7, 10 oder 15 Tonnen. Die Lkw werden auĂer beim deutschen Militär auch von den Streitkräften mehrerer anderer Staaten eingesetzt, zudem gibt es eine Reihe von zivilen Nutzern wie die UNO und das deutsche Technische Hilfswerk (THW). Der MAN gl wurde und wird in einer Vielzahl von Verwendungsarten eingesetzt, unter anderem als Waffensystem-Träger, Waffentransportfahrzeug, Kranfahrzeug und als Mehrzweck-Transporter.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1962 plante die Bundeswehr, ihren Fuhrpark aus der Aufbauzeit zu ersetzen. Gefordert waren zwei-, drei- und vierachsige Landfahrzeuge in der Nutzlastklasse 4 bis 10 Tonnen mit Schwimmfähigkeit. Aufgrund des hohen Anteils an Neuentwicklung sah sich das Bundesamt fßr Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) nicht in der Lage, die technische Verantwortung fßr eine Entscheidung zu ßbernehmen, und empfahl den teilnehmenden Firmen die Grßndung eines Gemeinschaftsbßros (GB) sowie die Einigung auf ein Projekt.
Zwei Jahre später im Jahr 1964 bildete sich das Gemeinschaftsbßro der deutschen Nutzfahrzeugindustrie unter der Fßhrung von MAN. Die Hersteller KlÜckner-Humboldt-Deutz (KHD), Bßssing, Krupp und Henschel waren ebenfalls am Projekt beteiligt.
Am 12. August 1964 erstellte das BWB die Forderungen fßr die zweite Generation. Die Spezifikationen fßr die sogenannte Folgegeneration waren weitgehend handelsßbliche Fahrzeuge, uneingeschränkte Geländegängigkeit, schwimmfähig, permanenter Allradantrieb, Niederdruckreifen mit Notlaufeigenschaften, Stahlfahrerhaus, ABC-Dichtigkeit, Vielstoffmotor und eine Einsatzdauer von mindestens zehn Jahren.
Aufgrund zu hoher Beschaffungskosten und des neuen NATO-Standards wurden Schwimm-, ABC- und Vielstofffähigkeit sowie die Niederdruckreifen gestrichen und eine neue Forderung definiert. So wurde die Nutzlast fĂźr den Zweiachser auf 5 t gesteigert, die Wattiefe auf 1200 mm gesetzt, die LadeflächenhĂśhe auf 1650 mm angehoben, luftgekĂźhlte Deutz-V8-Motoren mit und ohne Turboaufladung sowie Reifen mit einer GrĂśĂe von 14.00 R 20 festgelegt. Diese so âabgespeckteâ Variante war allerdings noch immer zu teuer, um sie flächendeckend einzufĂźhren. Nach weiteren PrĂźfungen teilte man das Projekt in handelsĂźbliche Kraftfahrzeuge und militärische Sonderentwicklungen sowie je nach Geländegängigkeit in sechs Kategorien.
Am 4. Dezember 1975 unterschrieb die Bundeswehr mit MAN den Serienvertrag ßber die Lieferung von den nun nochmals in zwei Kategorien unterteilten militärischen Sonderentwicklungen. So erfolgte am 29. November 1976 die Auslieferung des ersten Kategorie-I-MAN, des 10 t mil gl.
Allgemein
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Baugleich mit 5 t und 7 t

Die MAN-Serie, eingefßhrt unter der Bezeichnung mil gl (fßr militarisiert geländegängig), befindet sich in allen Teilstreitkräften der Bundeswehr im Einsatz. Die Militarisierung umfasst dabei einen von der normalen Beleuchtung getrennten Tarnlichtkreis (Tarnlicht-Scheinwerfer vorn, Tarnrßck- und Bremsleuchte sowie das Leitkreuz), militärische Anordnung der Instrumentierung mit TarnmÜglichkeit, einen Not-Aus-Schalter zum Abschalten der Stromversorgung, eine Dachluke mit Drehringlafette und Gewehrhalterungen. Die Fahrzeuge zählen zur Kategorie I (KAT I) der militärischen Sonderentwicklungen und sind somit vollgeländegängig.
Die Fahrzeuge der Nutzlastklasse 5 t, 7 t, 10 t KAT I gehÜren zur zweiten Generation (Folgegeneration) und mit der Kennung KAT I A1 zur erweiterten Folgegeneration, darunter auch die 15-t-Version. Fahrzeuge der KAT-I-Generation wurden Mitte der 1990er Jahre einer Hauptinstandsetzung unterzogen, um ihre Lebensdauer um weitere zehn Jahre zu verlängern.
Fahrzeuge der Kategorie I A1.1 (KAT I A1.1) wie der 15 t mil gl âMultiâ gehĂśren zur sogenannten dritten Generation und sind Weiterentwicklungen, gehĂśren aber noch immer zu den militärischen Sonderentwicklungen.
Vielfach sind die Fahrzeuge unter dem Begriff â5-, 7-, 10-, 15-Tonnerâ bekannt, dies bezeichnet die militärische Nutzlastklasse (entspricht der maximalen Zuladung und ist nicht zu verwechseln mit der militärischen Lastenklasse). âTonnerâ bezieht sich in der Bundeswehr-Umgangssprache auf die Nutzlast.
Technischer Aufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alle Lkw der Serie sind im Baukastensystem aufgebaut. So bestehen alle Fahrzeuge aus einem extrem verwindungssteifen Leiterrahmen mit geschlossenen Kasten-Längsträgern und damit verschweiĂten Rohr-Querträgern, ausgestattet mit hochbeweglichen, an Lenkern gefĂźhrten Achsen, die Ăźber Schraubenfedern mit dem Rahmen verbunden sind. Der Motor sitzt im Frontlenker-Fahrerhaus, das durch eine Zwischenwand in Fahrer- und Motorraum geteilt wird. Als Besonderheit ist der Motor hinter dem Fahrerraum eingebaut und nicht wie bei anderen Frontlenkern darunter. Dadurch konnte eine HĂśhe Ăźber FĂźhrerhaus von knapp 2,9 m realisiert werden, was die Verladung auf Standard-Eisenbahnwagen ermĂśglicht. Um das LademaĂ und das Lichtraumprofil der Eisenbahn einzuhalten, wurden die oberen Seitenkanten des Fahrerhauses charakteristisch abgeschrägt. Da die Fahrzeuge der ersten Baureihe noch auf den schwimmfähigen Prototypen basieren, ist deren Fahrerhaus nicht fĂźr Wartungszwecke kippbar. Dies wurde erst mit der zweiten Baureihe Mitte der 1980er Jahre eingefĂźhrt.
Der Verbrennungsmotor gibt seine Leistung Ăźber Wandlerschaltkupplung, Schaltgetriebe und das Verteilergetriebe auf die Vorder- und Hinterachse(n) ab. In der ersten Baureihe KAT I bilden diese drei Komponenten eine Einheit und sind somit ein Sonderbauteil. FĂźr die späteren Baureihen KAT I A1 werden gĂźnstigere GroĂserienteile aus der laufenden Lkw-Produktion verwendet. Damit lieĂ sich auch die Anzahl der Gänge von 6 auf 16 erhĂśhen, was die theoretische HĂśchstgeschwindigkeit von 90 auf rund 130 km/h steigert. Bei der Ăźblicherweise gefahrenen Geschwindigkeit von 80 km/h reduziert sich somit die Motordrehzahl erheblich, was den Kraftstoffverbrauch senkt. Die Bordnetzspannung beträgt 24 V und entspricht so dem Standard in der Bundeswehr. Eine Besonderheit ist die Anhängerkupplung. Im Gegensatz zu einem zivilen Fahrzeug verfĂźgt der MAN mil gl wie jeder Bundeswehr-Lkw Ăźber eine Hakenkupplung (auch âNATO-Kupplungâ genannt). Diese ermĂśglicht den Anhängerbetrieb auch in schwerem Gelände, erfordert aber den Einsatz von Anhängern mit passender ZugĂśse. Da der MAN mil gl schon Ăźber die neuere automatisch schlieĂende Version der Hakenkupplung verfĂźgt, kann sie bei ziviler Zulassung des Fahrzeugs uneingeschränkt weiterbenutzt werden, sofern die Anhänger mit einer entsprechenden ZugĂśse ausgerĂźstet sind.
Zur Selbstverteidigung verfĂźgen die Fahrzeuge Ăźber ein auf Drehringlafette montiertes Maschinengewehr MG3.

Im Rahmen der Auslandseinsätze der Bundeswehr wurden einige Fahrzeuge zusätzlich mit einer modularen Schutzausstattung (MSA) gepanzert, um den Schutz der Besatzung zu erhÜhen. Neubauten der Generation 3 verfßgen dagegen je nach Modell ßber eine sogenannte Fahrzeugschutzausstattung (FSA). Im Gegensatz zu MSA erhalten die Fahrzeuge wie beim ATF Dingo bereits während der Fertigung eine Schutzzelle und sind entsprechend darauf abgestimmt.
Varianten (2. Generation)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]LKW 5 t mil gl KAT I und KAT I A1 (4Ă4)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Angetrieben von einem Deutz-V8-Dieselmotor F8L413F mit 256 PS wurden 1976 bis 1985 zwei Varianten (Typ 451, 461) eingefĂźhrt. Hauptsächlich dienten diese Fahrzeuge als Pritschenlastkraftwagen mit und ohne Plane fĂźr Personen- und Materialtransport, als Trägerfahrzeug fĂźr die Kabine II, als Träger des Feuerleitradars (FERA) des leichten Artillerie-Raketen-Systems (LARS) und als Bergefahrzeug mit 1-t-Kran der Firma Atlas-Weyhausen fĂźr das Kleinfluggerät KZO âBrevelâ.
Eine Besonderheit bilden die Tankfahrzeuge auf Basis des 5 t mil gl. Durch den Tankaufsatz (TA) mit Pumpe in der Konfiguration 4600 l und 2 à 2300 l ßberschreiten die Fahrzeuge das zulässige Gesamtgewicht um eine Tonne. Aufgrund von Tests und mit Zustimmung des Reifenherstellers erhÜhte man den Reifendruck, um dies zu kompensieren. Alle Fahrzeuge besitzen darßber hinaus eine Ausnahmegenehmigung.
Die Lkw des Typs 461 sind im Unterschied zum Typ 451 mit einer 30-Meter-Seilwinde der Firma Rotzler ausgestattet und tragen zusätzlich ein kleines âwâ im Namen, die Bezeichnung lautet dann 5 t mil glw. Die Zuglast der Seilwinde beträgt 5 t und das Seil kann jeweils nach vorne oder hinten gelegt werden. Die 2073 Fahrzeuge mit Winden gingen fast ausschlieĂlich an das Heer.
In den Jahren 1986 bis 1993 beauftragte die Luftwaffe unter der MaĂgabe der Luftverladbarkeit in einer C-130 Hercules oder C-160 Transall weitere Fahrzeuge. Bei diesen mit der Bezeichnung KAT I A1 eingefĂźhrten Lastkraftwagen wurden Mängel der ersten Version beseitigt und leichte Veränderungen vorgenommen. So wurde das feste Fahrerhaus modifiziert, um den Motorwechsel zu beschleunigen. FĂźr die Luftverladung hat das FĂźhrerhaus ein abschraubbares Hardtop.
- 5 t gl KATÂ I mit Plane und Spriegel
- 5 t gl KAT I abgeplant
LKW 7 t mil gl KAT I und KAT I A1 (6Ă6)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die LKW mit Nutzlast 7 t bilden das zweite Fahrzeug der MAN-Familie der zweiten Generation. Angetrieben von einem stärkeren, luftgekßhlten 320-PS-Deutz-Motor mit Abgasturbolader und Ladeluftkßhlung entsprechen sie im Aufbau dem 5 Tonner. Der Antrieb der zweiten Hinterachse erfolgt ßber einen Durchtrieb an der ersten Hinterachse.
Insgesamt fertigte MAN in den Jahren 1977 bis 1985 in der KAT-I-Version fßnf Typen. Die Typen 452, 462 mit Seilwinde und 463 dienten als Pritschenfahrzeug, Geräteträger fßr die Aufklärungsdrohne CL289, als Geräteträger fßr das leichte Artillerie-Raketen-System (LARS), als Geräteträger fßr Dekontamination in der ABCAbwehr-Truppe sowie bei den Pioniereinheiten als Zugmittel fßr den Minenverleger 85 (MiV85) und den dreiachsigen Flachbettanhänger 15 t. In der Version 453 baute MAN einen Dreiseitenkipper mit Seilwinde fßr die Pioniere und ein Containertransportfahrzeug fßr die Sanitäter. Der letzte Typ der Folgegeneration war ein Geräteträger fßr die Faltschwimmbrßcken. Ausgerßstet mit einem Flachbett und verlängertem Radstand kann dieser Typ 455 alle Teile der Brßcke und das Motorboot 3 tragen. Wie auch der Typ 462 verfßgt dieses Fahrzeug ßber eine 5-Tonnen-Seilwinde.
Insgesamt fertigte MAN 3500 Fahrzeuge der 7-Tonnen-Klasse in der Version KATÂ I.
Wie auch beim 5-Tonner meldete die Luftwaffe zu Beginn der 1980er Jahre erneut Bedarf an. In den Jahren 1986 bis 1993 lieferte MAN Fahrzeuge in der verbesserten KAT-I-A1-Version fßr das Patriot-Flugabwehrraketensystem. Neben der Funktion als Trägerfahrzeug fßr die Feuerleit- und Kampffßhrungsanlage wurden auf dem LKW ebenfalls die Stromerzeugungsanlage 2 à 150 kW und die Antennenmastgruppe verlastet.
- MAN 7 t gl KAT I: Schwimmfähiger und ABC-geschßtzter Prototyp in der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz
- MAN 7 t gl KAT I: mit Ladekran und Leichtmetallschlägen nachgerßstetes Modell des THW
- Heckansicht des MAN 7 t mil gl als FSB- und M-Boot-Transporter
- Kipper MAN 7Â t mil gl
- Startfahrzeug M21 (MAN 7Â t mil gl (CL289))
LKW 10 t mil gl KAT I (8Ă8)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der vierachsige LKW bildet den Abschluss der KAT-I-Familie. Ausgerßstet mit einem 320-PS-Deutz-Motor, Abgasturbolader und Ladeluftkßhlung wird dieser LKW von den Versorgungseinheiten der Divisionen, Brigaden und Korpsverbände des Heeres eingesetzt. Durch die verlängerte Ladefläche wird dieses Fahrzeug fßr den Transport von Mengenverbrauchsgßtern wie Munition und Kraftstoff genutzt und dient der Versorgung der Kampfeinheiten. MAN baute in den Jahren 1976 bis 1985 zwei Versionen. Typ 454 verfßgte nur ßber eine 5-Tonnen-Seilwinde der Firma Rotzler und war auf Umschlaggeräte wie Gabelstapler angewiesen. Dagegen verfßgte der Typ 464 ßber einen 1-Tonnen-Ladekran von Atlas-Weyhausen, montiert auf der linken Seite der Ladenflächenmitte. Bedingt durch den Ladekran kann dieser Typ nur neun statt zehn Europaletten laden.
- MAN 10 t gl mit Ladekran
Beladung: Treibladungen fĂźr Artilleriegeschosse; unter der braunen Abdeckplane: der abgedeckte Ladekran - Ausgefahrener 1-Tonnen-Ladekran von Atlas Weyhausen
Auf Basis des 10 t mil gl und glw wurden die LKW der erweiterten Folgegeneration KAT I A1 sowie der Folgegeneration 3 wie das Wechselladersystem MULTI entwickelt.
LKW 15 t mil gl KAT I A1 (8Ă8)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anfang der 1980er Jahre lieferte MAN verbesserte Fahrzeuge der KAT-I-A1-Version als Trägerfahrzeug der 15-t-Klasse an die Luftwaffe. Mit einer auf 2900 mm vergrĂśĂerten Spurbreite dienen diese Fahrzeuge mit der Bezeichnung 15 t mil gl BR A1 als Geräteträger und Startsystem fĂźr die Waffensysteme Roland und Patriot. Als LenkflugkĂśrpertransporter wird ein herkĂśmmliches Fahrgestell mit Pritschenaufbau verwendet, das um einen Anbaudrehkran 2,5 t von Atlas erweitert wurde.
Angetrieben wird der vierachsige LKW von einem Deutz-8-Zylinder-Dieselmotor mit 360Â PS, Abgasturbolader und LadeluftkĂźhler. Wie auch die 5-, 7- und 10-Tonner verfĂźgt er zum Teil Ăźber eine Seilwinde von Rotzler.
Auch das 2006 eingefĂźhrte Artillerieortungsradar COBRA verwendet freigewordene Fahrgestelle der KAT-I-A1-Generation.
- 15 t gl KAT I A1 mit FaltstraĂenverlegesystem
- 15 t gl KAT I A1 mit Waffensystem Patriot, gut zu erkennen ist das aufgrund der Ăberbreite abgeänderte Fahrerhaus
3. Generation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Fahrzeuge der Generation 3 sind Weiterentwicklungen der MAN-gl-Familie und gehÜren zum Konzept Transport- und Sonderkraftfahrzeuge der Bundeswehr. Sie gehÜren zur Kategorie I und erfßllen die neudefinierte Mobilitätsstufe A. Diese fordert uneingeschränkte Geländegängigkeit auf schweren und feuchten BÜden, die MÜglichkeit, den Kampffahrzeugen zu folgen, sowie eine Wattiefe von 1,2 m. Zivil tragen sie die Bezeichnung SX (hochgeländegängig, schraubengefedert) und HX (bedingt geländegängig, blattgefedert).
Wie auch die Fahrzeuge der Generation 2 sind sie nach dem Baukastensystem aufgebaut. Um Kosten zu sparen, wurden Teile der Vorgänger weiterverwendet und verbessert, aber auch Neuentwicklungen verbaut. Modifikationen wurden am Fahrerhaus vorgenommen, und die Bremsanlage wurde durch das Hinzufßgen eines Retarders verbessert.
Die Beschaffung der Fahrzeuge bei der Bundeswehr erfolgt auftragsbezogen und nicht wie geplant im Austausch âalt gegen neuâ.
Varianten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beschafft wurde die Generation 3 bei der Bundeswehr in den Nutzlastklassen 7 t und 15 t. Angetrieben werden beide Fahrzeuge von einem Sechszylindermotor mit 400 PS des Typs MAN D 2866 LF in den Schadstoffklassen Euro 1 bzw. 2. Der Siebentonner dient dabei als Trägerfahrzeug der Richtfunkanlagen AUTOFUE des FM-Nachrichtendienstes der Luftwaffe, als Trägerfahrzeug der Richtfunkanlagen des Flugabwehrsystems HAWK sowie als luftverladbare Variante des Waffensystems Roland. Die Fahrzeuge der 15-t-Klasse werden als Berge- und Abschleppfahrzeug (BKF 30.40), Wechselladersystem MULTI sowie als Verleger und Transporter der Faltfestbrßcke eingesetzt. Ein ebenfalls auf diesem Fahrgestell geplantes Brunnenbohrgerät fßr die Pioniere der Bundeswehr wurde nicht eingefßhrt. Der Prototyp ging an die Niederlande.
SX-Serie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der SX ist die jĂźngste Entwicklungsstufe des ursprĂźnglichen MAN gl. Die wichtigsten Merkmale sind nach wie vor der extrem verwindungssteife Leiterrahmen mit geschlossenen Kasten-Längsträgern und damit verschweiĂten Rohr-Querträgern sowie das besonders bewegliche Fahrwerk mit an Lenkern gefĂźhrten Achsen und langhubigen Schraubenfedern.
Auf Wunsch kann beim 8Ă8 auch eine hydropneumatische Federung an den Hinterachsen geliefert werden (âHeplexâ). Der SX verfĂźgt Ăźber eine breitere Rahmenspur im Vergleich zu zivilen LKW, da nur die Verwendung einzelbereifter Achsen vorgesehen ist. Der MAN-D20-Motor mit 440 PS (324 kW) sitzt unter dem kippbaren Fahrerhaus zwischen der ersten und zweiten Achse, und der KĂźhler liegt flach darĂźber. Das Ersatzrad ist seitlich hinter der Kabine längs eingebaut. Alle SX-Modelle sind auch mit einem nach STANAG 4569 geschĂźtzten Fahrerhaus erhältlich und werden meist als Systemträger fĂźr Sonderaufbauten (z. B. Kofferaufbauten) eingesetzt, die eine hohe Durchsetzungsfähigkeit im Gelände und einen verwindungssteifen Rahmen erfordern.
Die aktuellen Vertreter der SX-Baureihe sind:
- MAN SX 25.440 6Ă6 (MAN-Typbezeichnung X44) z. B. als Antennenmasttransporter (Antenna Mast Carrier), Tanker oder Containertransporter
- MAN SX 32.440 8Ă8 (X45) z. B. als Recovery Vehicle (Bergefahrzeug), Bridgelayer (BrĂźckenleger) oder mit Load Handling System (WechselladebrĂźcke)
Auch der MULTI 2 FSA ist ein Aufbau auf der Basis des MAN SX. Darßber hinaus ist die SX-Serie auch das Basisfahrzeug vieler ziviler FlugfeldlÜschfahrzeuge, Expeditionsfahrzeuge sowie militärischer Sonderfahrzeuge wie beispielsweise als Trägerfahrzeug fßr das Panzir- oder Patriot-Flugabwehrraketensystem.
HX-Serie
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Die MAN-HX-Serie unterscheidet sich technisch stark von der aktuellen SX-Serie und ihren Vorläufern. Der Leiterrahmen in C-Profil-Ausfßhrung basiert auf dem der zivilen TGA-Serie. Durch den Einsatz von Blattfedern liegt die Beweglichkeit der Achsen auf einem etwas niedrigeren Niveau als beim SX mit Schraubenfedern. Der Motor sitzt unter dem Fahrerhaus auf HÜhe der ersten Achse und verlagert dadurch im Vergleich zum SX den Schwerpunkt weiter nach vorne. Alle HX-Modelle sind auch mit einem geschßtzten Fahrerhaus erhältlich und werden meist in einer Konfiguration fßr klassische Transportaufgaben eingesetzt. Typische Vertreter der HX-Baureihe sind der:
- MAN HX 18.330 BB 4Ă4 (X60) als âCargoâ oder âTroop Carrierâ
- MAN HX 25.440 BB 6Ă6 (X58) als âCargoâ, âTroop Carrierâ, âTankerâ oder âTractorâ (Sattelzugmaschine)
- MAN HX 32.440 BB 8Ă8 (X77) als âLoad Handling Systemâ (WechselladebrĂźcke)
- MAN HX 44.680 BBS 8Ă8 (X81) als âTank Transporterâ (Panzertransporter) oder âRecoveryâ (Bergefahrzeug)
Optische Unterscheidungsmerkmale zum SX sind der auf linken Fahrzeugseite längs montierte Kßhler und das quer eingebaute Ersatzrad. Bis auf den Typ X81 werden alle HX- und SX-Fahrzeuge von MAN-Reihensechszylindermotoren angetrieben.
Der X81 stellt eine Besonderheit dar, da er mit dem 680 PS leistenden MAN-D2868-V8-Motor ausgerßstet ist. Als einziger Vertreter der HX-Reihe verfßgt er ßber einen zusätzlichen Kßhler auf der rechten Fahrzeugseite.
Nutzer
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Neben der Bundeswehr und dem deutschen Technischen Hilfswerk (THW) nutzen noch andere Streitkräfte, Organisationen und Staaten den MAN gl in verschiedenen Varianten. So befinden sich bei den britischen Streitkräften HX- und SX-Varianten in der Nutzlastklassen von 5 bis 15 Tonnen im Einsatz. Weitere Nutzer der Familie sind die Streitkräfte von Luxemburg, Estland und Griechenland und, unter der Bezeichnung ĂAF (âS-LKWâ), das Ăśsterreichische Bundesheer. Die UNO setzte den Lkw bei Friedensmissionen sowohl in der Dreiachser- als auch in der Vierachser-Version ein, entsprechend dem UN-Standard in weiĂ lackiert und mit groĂen schwarzen Buchstaben âUNâ markiert.[1][2]
Ende 2022 beauftragte die Bundesregierung den Hersteller, 26 fabrikneue Wechsellader-Fahrzeuge HX 8Ă8 an die Ukraine zu liefern, um diese bei der Abwehr des russischen Ăberfalls zu unterstĂźtzen. Weitere Fahrzeuge des gleichen Typs sollen im Rahmen eines Ringtausches an Slowenien geliefert werden.[3]
Zahlreiche KAT-1-Fahrzeuge werden nach ihrer AuĂerdienststellung bei der Bundeswehr inzwischen auch im zivilen Bereich genutzt, so zum Beispiel als Expeditionsfahrzeug/Wohnmobil fĂźr extreme Bedingungen.
Pershing-II-Transporter der US-Army
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂźr die von den amerikanischen Streitkräften in Baden-WĂźrttemberg und Bayern zu stationierenden und von wechselnden Orten in Europa aus einsatzfähigen Pershing-II-Mittelstreckenraketen entwickelte MAN die Zugmaschinen auf Basis des MAN gl. Als Basis diente zuerst das KAT-I-Konzept der Bundeswehr, dieses wurde jedoch von den USA als unzureichend zurĂźckgewiesen. Daraufhin modifizierte MAN die Fahrzeuge und verbaute einen wassergekĂźhlten V10-Motor, grĂśĂere 16,00-Zoll-Reifen und einen Motortunnel inklusive KĂźhlergrill. Die geänderten Fahrzeuge erhielten von MAN die Bezeichnung âKAT 2â, was allerdings nichts mit der Kategorieeinordnung der Bundeswehr zu tun hat.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Karl Anweiler, Rainer Blank: Die Rad- und Kettenfahrzeuge der Bundeswehr. 1956 bis heute. 1. Auflage. Weltbild Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-8289-5331-X.
- Peter Ocker: MAN. Die Allrad-AlleskĂśnner. Entwicklung. Technik. Einsatz. Heel, ISBN 3-89365-705-3
- Lutz-Reiner Gau, Jßrgen Plate, JÜrg Siegert: Deutsche Militärfahrzeuge. Bundeswehr und NVA. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-613-02152-8.
- Dietrich Fuchs: Berechnung und Vergleich verschiedener Bauprinzipien fĂźr Leiterrahmen der Nutzfahrzeuge bei Drillbelastung. MĂźnchen, T.U., F. f. Maschinenwesen u. Elektrotechnik, Diss. v. 18. Mai 1972.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 60 Sekunden Bundeswehr: UngeschĂźtztes Transportfahrzeug (UTF) 5 Tonnen (YouTube-Video, 29. September 2021)
- 60 Sekunden Bundeswehr: UngeschĂźtztes Transportfahrzeug (UTF) 15 Tonnen (YouTube-Video, 29. Juni 2022)
- Geländegängiger Lastkraftwagen ĂAF beim Bundesheer
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â MAN Âť N4500 / N4600. trucksplanet.com, abgerufen am 8. November 2022, siehe Bildergalerie fĂźr Fotos des 3- und 4-Achsers in UN-Lackierung
- â MAN MIL GL KAT I. dermotor.de, abgerufen am 8. November 2022
- â Rheinmetall liefert fabrikneue Militär-LKW an die Ukraine auf der Webpräsenz von Rheinmetall, 22. Dezember 2022